Deutschland macht Ferien. Wenn Sie nicht gerade Eis verkaufen, einen Souvenir-Shop im Zentrum von Berlin betreiben oder Ferienwohnungen vermieten, dann ist es sicher auch bei Ihnen im Geschäft derzeit ein wenig ruhiger. So haben Sie vielleicht plötzlich Zeit, sich mal wieder anderen Dingen zu widmen. Zu überlegen, ob die Geschäftsidee ein wenig aufgepeppt werden kann oder ob man etwas verändern will. Kreativ zu sein, kreativ zu denken ist im normalen Geschäftsalltag, wenn die To-Do-Liste das Tagwerk bestimmt, fast ein Luxus. Darum sollte man Freizeiten, wann immer man sie hat, nutzen. Das muss nicht gleich in Stress ausarten, sondern kann Spaß und vielleicht sogar eine neue Geschäftsidee bringen.

Aber geht das auf Knopfdruck? Ja, und zwar mit einer Übung, die viele namhafte Trainer*innen anwenden. Die Rede ist von der Verabredung mit sich selbst.

Wie? Eine Verabredung mit sich selbst? Ist man nicht ständig mit sich verabredet? Ist das nicht zu simpel? Zu banal? Zu unkonkret?

Nein. So gar nicht. Aber was bedeutet es, sich mit sich selbst zu verabreden?

Bei der Verabredung mit sich selbst geht es darum, sich pro Woche einmal zwei bis drei Stunden Zeit zu nehmen, sich freizunehmen und diese Zeit zu nutzen, um das „kreative Bewusstsein zu nähren“, wie es Julia Cameron in ihrem Buch „Der Weg des Künstlers“ ausdrückt. Kreativität hat viel mit unserem inneren Kind, mit unserer Bereitschaft zu spielen und etwas auszuprobieren zu tun. Bei der Verabredung mit sich selbst, geht es also darum, diesem Teil in uns Raum zu geben, ihn zu nähren. So kann die Verabredung etwas – auf den ersten Blick – völlig „Sinnfreies“ sein. Etwas zu tun, das man nicht mit dem Verstand beurteilt, das keinen „Gewinn“ bringt, sondern einfach gute Gefühle nährt. Das innere Navigationsgerät sollte auf  Spaß und Freude geeicht sein. Das ist auch ein Gewinn, aber eben ein anderer. Einer, der sich mit Sicherheit bezahlt macht, auch wenn man es erst nicht glauben will.

 

Ein erstes Mal

Gut ist Dinge zu tun, die Sie noch nie gemacht haben. Während Kinder ständig „erste Male“ erleben, gehen wir Erwachsenen ziemlich ausgetretene Pfade, auf denen wir wenig Überraschung erleben. Die Frage kann also lauten: Was wollte ich unbedingt schon immer mal ausprobieren? Vielleicht ein besonderes Auto mieten und damit einen Ausflug machen? Vielleicht mal ganz aufs Auto verzichten und Bahn fahren? Worauf haben Sie Lust? Was haben Sie lange nicht mehr allein gemacht? Was haben Sie noch nie allein gemacht? Was lässt Ihr Herz hüpfen? Was wurde Ihnen früher von Ihren Eltern verboten oder gab es etwas, das Sie sich selbst aus Angst, man könnte Sie dafür auslachen, nicht gegönnt haben? Wenn wir ehrlich sind, dann schlummern in jedem von uns etliche Wünsche. Manche sind gar nicht so spektakulär und wären auch leicht zu erfüllen, aber oft genug versagen wir sie uns, meinen, sie seien zu albern, zu anmaßend, zu unpopulär.

Verabredungen mit sich selbst helfen dabei, den „Brunnen aufzufüllen“ (Julia Cameron) aus dem dann neue Kreativität sprudeln kann. Auch wenn sich solch eine Verabredung zunächst seltsam anfühlt, setzt sie ein unglaubliches Energiepotential frei. Gleichzeitig kommen wir uns selbst dabei näher, nehmen uns wahr, erkennen Wünsche und Bedürfnisse. All das kann man nutzen, um es im Arbeits- oder Privatleben umzusetzen. Dabei ist es etwas völlig anderes, ob man – um mal ein anderes Beispiel zu wählen – einfach so ins Kino geht oder ob man sich dafür mit sich selbst verabredet. Es geht dabei um den Grad der Bewusstheit, mit dem man diese Sache tut.

Um langfristig erfolgreich im Beruf zu sein, braucht man eine gute Beziehung zu sich selbst. Dazu gehört es, den inneren Anteilen, die sonst im Alltag vernachlässigt werden, Raum zu geben. Eine Verabredung mit sich selbst ist niemals verlorene Zeit. Im Gegenteil. Sie ist eine enorm kraftvolle schöpferische Quelle.