Wie im letzten Beitrag schon angekündigt, habe ich Thomas Mampel, den Geschäftsführer der .garage Berlin erneut befragt. Denn natürlich unterliegt auch die .garage Marktgegebenheiten, muss sie sich anpassen, erlebt sie, wie jede andere Gründung auch, mal ein Tief. Wie reagiert man darauf? Was hat sich verändert?


1.Thomas, wir haben vor sechs Jahren das Buch „Das Prinzip .garage“ herausgegeben, in dem wir 10 +1 Gründergeschichten erzählt haben. Bis auf die Gründer, die von ihrem Scheitern berichtet haben, sind alle Unternehmer*innen noch am Markt. Ist das auch ein Verdienst der .garage?
Nein. Das ist ein Verdienst der Gründerinnen und Gründer. Sich selbständig zu machen, ein eigenes Geschäft aufzumachen ist leicht. Das kann jede und jeder. Aber durchhalten, sich  behaupten, Krisen überstehen, sich am Markt etablieren – da trennt sich die Spreu vom Weizen. Erfolg ist vor allem auch eine Folge von Durchhaltevermögen, Disziplin und Optimismus. Wenn wir durch unser Coaching in der .garage gut auf diese bevorstehende Herausforderung und das Abenteuer Selbständigkeit vorbereiten konnten, sind wir zufrieden und glücklich. Arbeiten müssen Gründerinnen und Gründer selbst – und das nicht zu knapp. Aber Fleiß und Ausdauer werden belohnt – wie bei jedem Langstreckenlauf ……


2. Wie wir im letzten Beitrag schon angedeutet haben, hat auch die .garage Berlin so einige Täler durchqueren müssen, um als Unternehmen zu bestehen. Was war die größte Hürde? Und wie habt Ihr sie gemeistert?

Es ist immer wieder schwierig für Unternehmen sich auf veränderte Marktbedingungen einzustellen. Das gilt für alle Unternehmen in allen Branchen. Die garage war früher mitunter etwas langsam, wenn es darum ging auf Veränderungen zu reagieren. Wir hatten ja unsere erfolgreichen Coaching- und Weiterbildungsangebote. Aber: Auf seinen Erfolgen in der Vergangenheit darf sich ein Unternehmen nie ausruhen. Der Markt und die Mitbewerber sind da absolut humorlos. Wie haben gelernt: Immer wenn es bei uns gut läuft, müssen wir schon darüber nachdenken, was als nächstes kommt. Wir müssen antizyklisch planen.  Wenn du erst anfängst dir Gedanken über neue Produkte und Geschäftsmodelle zu machen, wenn die Umsatzzahlen im Keller sind, kann es schon zu spät sein. Du musst neue Produkte und Angebote entwicklen, wenn die „alten“ in „voller Blüte“ sind.

3. Die Zahl der Gründer*innen in Deutschland geht kontinuierlich zurück. Was meinst Du, woran liegt das?
Für viele Gründerinnen und Gründer war die Selbständigkeit oft eine Art „Plan B“. Wer auf dem Arbeitsmarkt nichts mehr gefunden hat oder nicht mehr gebraucht wurde, war eher bereit, sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen und ein eigenes kleines Unternehmen zu gründen. Oft waren (und sind) das Kleinunternehmen, in denen „nur“ der Gründer bzw. die Gründerin arbeitet. Mittlerweile haben wir quasi Vollbeschäftigung. Es gibt viele freie Stellen und wer halbwegs qualifiziert und ein wenig flexibel ist, findet fast  überall einen guten Job. Damit sinkt bei vielen die Bereitschaft, als Gründer / Gründerin wirtschaftliche und finanzielle Risiken einzugehen. Ein anderer Grund kann sein, dass das Thema Selbständigkeit noch immer sehr mystifiziert wird. „Star-ups“ werden gehypt – Unternehmer*innentum wird zu einer Art „Raketenwissenschaft“ verklärt. Das schreckt viele schlaue Leute mit eigentlich guten Geschäftsideen ab.

4. Kann die. .garage dazu beitragen, das zu verbessern?
Wir ermutigen Menschen an ihre Träume und Visionen zu glauben. Die eigenen persönlichen Ziele müssen immer der „Plan A“  im Leben sein – und Risiken und Unwägbarkeiten der Selbständigkeit lassen sich durch gute Planung und ein gutes Gründungskonzept immens minimieren. Hierfür haben wir in der .garage rund 20 Coaches aus allen relevanten Bereichen am Start. Wir legen dabei Wert auf „Bodenständigkeit“. Soll heissen: Wirtschaftlichkeit, Tragfähigkeit, Markt- und Konkurrenzsituation, rechtliche und steuerliche Fragen, Marketing und Vertrieb sind wesentliche Inhalte und Schwerpunkte des Gründungscoachings in der .garage. Für den Bau von Luftschlössern sind wir nicht zu haben. Wir wollen zeigen, dass Unternehmer*innentum immer eine Option ist – wenn Haltung und Einsatz stimmen. Wenn wieder mehr Menschen bereit sind, sich gut vorbereitet auf diese Option einzulassen, ändert sich das „Gründungsklima“ bei uns grundsätzlich.

5. Habt Ihr Euch auf ein bestimmtes Klientel spezialisiert? Also was unterscheidet die .garage Berlin von anderen Gründungszentren.
Wir haben eine herausragende Kompetenz in der Beratung von Menschen, die sich aus einer Phase der Arbeitslosigkeit heraus selbständig machen wollen. Arbeitslose Gründerinnen und Gründer haben es oft schwerer, da sie oft unter einem größeren Zeit- und Gelddruck stehen als andere Gründer*innen. Das ist Chance und Risiko zugleich. Die Jobcenter und Arbeitsagenturen können das Gründungscoaching in der garage übrigens  zu 100% fördern. Diese Chance sollten sich gründungswillige ALG 1 und ALG 2 – Empfänger*innen nicht entgehen lassen.
Ebenfalls eine große Expertise haben wir im Kreativbereich und im Sozialen Bereich. Ich wage mal die Behauptung, dass wir in Bezug auf Coachingqualität und Expertise unserer Mitarbeitenden hier absolute Spitze in der Stadt  sind. Das macht unser Angebot übrigens auch für „Selbstzahler“ interessant, die das Coaching nicht vom Jobcenter finanziert bekommen – man kann in dem Bereich viel Geld ausgeben für teilweise fragwürdige Beratungsleistungen – oder eben gleich in die .garage berlin kommen.

6. Was wünschst Du Dir für die Zukunft der .garage?
Dass wir nie den Spaß und die Freude verlieren an dem, was wir tun. Es macht unglaublich viel Spaß Menschen darin zu begleiten, ihren Lebenstraum zu verwirklichen und erfolgreich zu sein. Ich wünsche der .garage berlin, dass sie das noch viele viele Jahre tun kann.
Vielen Dank für das Gespräch!