Ich kenne einen  Social Entrepreneur. Erfolgreich gründete er mehrere Unternehmen und leistete damit einen wesentlichen Beitrag zum Wohle unserer Gesellschaft. Kein leichter Job, denn die Hürden, sozial tätig zu sein, sind mancherorts höher als man denkt, allein das Ausfüllen von diversen Anträgen kann einen schon zur Verzweiflung bringen. Hätte er mit ähnlichem Engagement seinerzeit einen Versandhandel für Technikprodukte gegründet, wäre er heute vermutlich ein gemachter Mann und würde auf einem Segelboot vor Mallorca die Sonne genießen. Dass er das nicht tut, liegt wahrscheinlich daran, dass die Gesellschaft erstaunlicherweise immer noch ein Problem damit hat, Social Entrepreneurship mit monetärem Gewinn zu verbinden. Wer Technik verkauft, darf reich werden. Wer Gutes tut, der muss das doch aus dem Herzen tun, ohne etwas dafür zu wollen.  Aber warum eigentlich?

Schaut man bei Wikipedia nach der Definition eines Social Entrepreneurs, findet man dort Folgendes:

„Ein Social Entrepreneur ist ein Unternehmer,

  • der eine nicht oder bisher nur unzureichend gelöste gesellschaftliche Aufgabe zu bewältigen sucht,
  • für den die finanzielle Gewinnerzielung nicht im Mittelpunkt steht oder ein Mittel zur Realisierung sozialer Zwecke darstellt,
  • dessen Werte auf Demokratie und Menschenwürde gründen,
  • der für die Erfüllung der selbst gestellten Aufgabe eine geeignete Organisation einbezieht, welche eine nachhaltige Entwicklung für die Gesellschaft anstrebt,
  • der weitere interessierte Personen zur Mitwirkung zu motivieren sucht und
  • der die nötigen finanziellen und materiellen Ressourcen akquirieren kann, ohne in Abhängigkeit von einzelnen großen Geldgebern zu geraten.“ (Quelle: Wikipedia.de Social Entrepreneurship)

Klingt für mich nach einem Heiligen. Nach einer Mutter Theresa der sozialen Wirtschaft. Und danach, dass dem Social Entrepreneur wahrscheinlich irgendwann die Puste ausgeht, weil man nicht immer nur geben kann, ohne auch zu nehmen. Erinnern Sie sich noch, als damals ein Aufschrei durch das Land ging, weil sich der Chef der Berliner Treberhilfe, im Dienst mit einem Luxusauto durch die Gegend fahren ließ? Sein Kommentar gegenüber der BILD dazu:  „Das ist wichtig, wenn ich als Investor auftrete. Wenn ich so bedürftig daherkomme wie unsere Klienten, würde mir keine Bank Geld geben.“
Nun ist der Fall sicher vielschichtig, aber die anschließende Reaktion der Medien und in der Bevölkerung zeigte deutlich, dass die Akzeptanz für  gewinnorientiertes soziales Engagement nicht gerade sehr hoch ist. Ich  persönlich plädiere für ein Umdenken, denn das schlechte Gewissen, mit einer wichtigen, innovativen und  einer auf Gesellschaftsentwicklung ausgerichteten Tätigkeit angemessen Geld zu verdienen, gehört meines Erachtens ins Museum. Davon betroffen sind übrigens nicht nur die Gründer sozialer Unternehmen, sondern auch die Angestellten und Berufsgruppen, deren Handeln auf das Wohl anderer Menschen ausgerichtet ist – Ärzte vielleicht mal ausgenommen. Die Bezahlung in sozialen Bereichen in Deutschland ist – und das ist meine persönliche Meinung – würdelos und zeigt die wahre Wertekultur unserer Gesellschaft. Da hilft auch kein Klatschen.

Wer auch immer meint, dass soziales Engagement nur echt ist oder von Herzen kommt, wenn es auf ehrenamtlicher Basis oder gegen eine geringe Entlohnung erfolgt, der irrt gewaltig. Und der verhindert mit seiner Haltung auch, dass sich an der Wertschätzung sozialer Berufe etwas ändert.