Gründer*innen 50plus – die Senior Entrepreneure

Gründen 50plus

Laut einer Untersuchung des Beratungsunternehmens Gallup hat fast jeder dritte Arbeitnehmer über 50 innerlich gekündigt. Er oder sie fühlt sich mit dem Unternehmen oder/und der tagtäglichen Arbeit emotional kaum noch verbunden. Dienst nach Vorschrift, die Zeit absitzen bis zur Rente oder Verweigerung – die Liste der Auswirkungen ist lang. Vielen fehlt der Mut, noch einmal neu durchzustarten. Dabei schlummert gerade in dieser Generation ein unglaubliches Potential.

Es ist nicht zu übersehen – der demografische Wandel verändert unsere Gesellschaft. Die Generation 50plus lässt sich nicht mehr zum alten Eisen abstempeln, schließlich liegen laut statistischer Lebenserwartung mindestens noch 30 Jahre vor ihr. Also weg mit den alten Mythen, dass Ältere nicht mehr so viel leisten können, oder dass sie nicht mehr neu durchstarten können.

Ist Gründen nur was für junge Menschen?

Hören wir „Start-up“ dann assoziieren wir das überwiegend mit hippen, jungen Gründer*innen, die mutig und risikofreudig ihrem Drang, die Welt besser zu machen und/oder ein gewinnträchtiges Unternehmen zu gründen, nachgehen. Wir sehen Sendungen, wie die „Höhle der Löwen“ vor uns, oder denken an Unternehmen wie zum Beispiel Fritz-Kola, das aus einem Studentenwohnheim in Hamburg-Othmarschen heraus gegründet wurde. Und obwohl das mittlerweile 20 Jahre her ist, hat es sein Studenten-Image nie abgelegt. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Lediglich sieben Prozent der Gründer*innen sind zwischen 55 und 64 Jahre alt, dabei repräsentiert diese Altersgruppe 19 Prozent der Deutschen.

Gründen mit Erfahrung

Doch was ist eigentlich, wenn Menschen, die die 50 überschritten haben, ein Unternehmen gründen? Haben die weniger Power? Weniger Spirit? Ganz im Gegenteil, denn bei ihnen paart sich Wissen mit Erfahrung. In Sachen Planung, Organisation und Führung haben sie die Nase vorn. Wer gut 30 Jahre beruflich seinen Mann/seine Frau gestanden hat, der/die hat den Jüngeren etwas voraus. Bei Frauen kommt noch hinzu, dass sie durch das Mehr an Familienarbeit, das Frauen immer noch leisten, strukturiertes Planen, Kalkulieren und Organisieren gewohnt sind. Menschen der Generation 50plus, die Babyboomer und die Generation X, verfügen darüber hinaus meist über ein gefestigtes Selbstvertrauen, eine realistische Risikoeinschätzung und Erfahrungen damit, Verantwortung zu tragen. So vermeiden sie Fehler, die junge Gründer*innen, die nicht über diese Erfahrungen verfügen, häufig machen. Dazu ist der Wunsch, sich sinnstiftend in die Gesellschaft einzubringen, gerade in der Generation 50+ sehr ausgeprägt.

Mit 50plus gründen – die Hürden

Einschränkend muss man jedoch sagen, dass vor allem die Risikobereitschaft in diesem Alter häufig verlorengeht, manchmal ausgelöst durch Erfahrungen wie Arbeitslosigkeit oder eben die oben erwähnte innere Kündigung. Auch kann ein gewisser Starrsinn, der gerade, wenn schnell Entscheidungen getroffen werden müssen, hinderlich sein. Manchmal fehlen auch Kenntnisse im kaufmännischen Bereich oder es mangelt an Bereitschaft, forsch und selbstbewusst die Akquise anzugehen. Häufig sind auch durch längere Arbeitslosigkeit die Sparreserven aufgebraucht, so dass die Gründer 50plus auf Finanzierung angewiesen sind. Aber all das sollten keine Hürden darstellen und schon gar nicht den Mut nehmen, die Gründung anzupacken.

Planung ist alles

Wie bei jeder anderen Gründung, gehört all das zur Planung dazu und bedenkt man, welchen immensen Erfahrungsschatz Gründer*innen dieser Generation ein eigenes Unternehmen einbringen können, dann ist fraglich, warum nicht viel mehr Menschen diesen Schritt wagen. Auch nicht zu unterschätzen sind nämlich die vielen Kontakte – ob beruflicher oder privater Natur, die in jeder Gründungsphase genutzt werden können.

Gründernetzwerke 50plus

Für Gründer*innen, die abseits der 50 ein Unternehmen gründen wollen, gibt es in jedem Bundesland Anlaufstellen. So hat auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz eine eigene Webseite eingerichtet, auf der sich angehende Unternehmer*innen informieren können. Am Ende ist es vermutlich keine Frage des Alters, ob und wie erfolgreich eine Gründung ist. Vielmehr kommt es auf den Willen an – entweder, endlich den Traum vom eigenen Unternehmen zu verwirklichen oder als Senior Entrepreneur Innovationen in die Welt zu bringen. Allen, die Teil dieser Generation sind, kann man nur Mut machen und sie motivieren, aus der inneren Kündigung auszusteigen, sich neu zu orientieren und den Jüngeren den großen Erfahrungsschatz und ihr Können zur Verfügung zu stellen.

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