Viele Neugründer entscheiden sich aus Kostengründen für einen Schreibtisch unter dem eigenen Dach. Vorteile hat das zweifelsfrei – es ist ruhiger, im günstigsten Fall kann man den Arbeitsraum steuerlich geltend machen und man ist dicht an der Familie dran, was den Organisationsaufwand minimiert. Trotzdem kann nicht jedem Gründer dazu geraten werden: „Kollege Ich daheim“ will gelernt sein und braucht vor allem eins: Disziplin.

Die Wäsche liegt vor der Waschmaschine, das schmutzige Geschirr stapelt sich in der Küche. All das nehme ich im Augenwinkel wahr. Ich setze mich an den Schreibtisch, öffne meine Emails und kann selbst entscheiden, ob ich jetzt erst einmal die Einladungsmail von Tante Renate beantworte oder die Geschäftsmail von Firma Soundso. Ich bin mein eigener Chef, mein Kollege und mein Angestellter – alles in einem und alles in den eigenen vier Wänden zwischen Privatfotos und gemütlichem Sofa.
Da ich keinen direkten Kundenkontakt habe, sondern meinen Job durch die virtuelle Vernetzung und per Telefon erledigen kann, ist es möglich und machbar von zu Hause aus zu arbeiten. Aber ich selbst musste zunächst auch lernen, mit all den Verlockungen, Ablenkungen und Fallstricken zurechtzukommen, die mit Sicherheit lauern, wenn man im Home-Office tätig ist.
Sollten Sie sich also mit dem Gedanken auseinandersetzen, empfehle ich Ihnen zunächst mal diesen kleinen Fragebogen durchzuarbeiten und ehrlich zu beantworten:

  • Können Sie mit sich allein sein, ohne alle drei Minuten hochzuspringen und sich abzulenken?
  • Können Sie Dinge mit sich allein klären/regeln ohne ständig die Meinung von anderen zu brauchen?
  • Können Sie sich selbst motivieren?
  • Sind Sie in der Lage, sich abzugrenzen – vor allem gegen kleine Monster, die neugierig sind und Hausarbeit?
  • Können Sie selbstständig planen, entscheiden?
  • Können Sie „Schluss machen“, dass heißt, auch für Freizeit sorgen?

All das wird nämlich von Ihnen gefordert – oder besser, das müssen Sie von sich fordern, wenn Sie allein von zu Hause aus arbeiten.
Keine leichte Sache – das Ablenkungspotential ist immens und andererseits fällt es wirklich schwer, den Job auch mal Job sein zu lassen, die Tür zu schließen und den Feierabend zu genießen.
Wichtig für den Home-Worker ist immer eine gute Planung. Legen Sie das Tagespensum fest und informieren Sie Ihre Mitmenschen darüber, dass die Tatsache, dass Sie zu Hause sind, nicht bedeutet, dass man Sie besuchen oder pausenlos anrufen kann.
Finden Sie für sich eine Motivations-Strategie, die es Ihnen ermöglicht, den kleinen Hänger zwischendurch zu bewältigen. Gehen Sie raus und machen Sie einen Spaziergang oder verabreden Sie sich zum Mittagessen.
To to Listen können helfen, sind aber nicht für jeden geeignet. Wichtig ist, die Balance zwischen Arbeit und Erholung gut zu takten. Home-Worker neigen gern dazu, bis tief in die Nacht zu sitzen. Das ist auf der einen Seite ein Vorteil, dann sollte man aber auch daran denken, dass man sich das Ausschlafen am nächsten Tag wirklich verdient hat.
Wenn Sie es sich leisten können, ist es ratsam, sich für die Hausarbeit eine Putzhilfe zu organisieren. Bedenken Sie immer, dass Putzzeit von Ihrer Arbeitszeit abgeht. Rechnen Sie einfach mal Ihren Stundensatz gegen den einer Putzhilfe auf – ist er höher, dann lohnt sich diese Investition auf jeden Fall.

Tipp: Gudrun Sonneberg, „Kollege ICH – Die Kunst allein zu arbeiten“ ISBN: 3-8661-2065-6