Ja oder Nein – Entscheidungen richtig treffen

Entscheidungen treffen für Richtung

Eigentlich vergeht kaum eine Minute in unserem Leben, ohne dass wir eine Entscheidung treffen. Die meisten sind uns gar nicht bewusst, bei anderen wägen wir lange ab. Manchmal entscheiden wir mit dem Kopf, ein anderes Mal eher aus dem Bauch heraus. Einige Menschen schreiben Sie Listen andere befragen die Glaskugel. Fakt ist: Entscheidungen richtig zu treffen, ist für jeden von uns immer wieder aufs Neue eine Herausforderung. Egal ob bei kleinen Themen, wie der Frage, was man heute anzieht, oder bei Lebensthemen, wenn es zum Beispiel darum geht, sich für oder gegen die Selbstständigkeit zu entscheiden.

Der KfW-Gründungsmonitor beschreibt in seiner aktuellen Ausgabe: „Die coronabedingte Unsicherheit hat viele Gründungsinteressierte dazu veranlasst, bereits in sehr frühen Phasen von einer Gründung oder Gründungsplanung abzusehen. Es haben also in höherem Maße Personen gegründet, die ein besonders starkes Vertrauen in ihre Gründung hatten.“ Corona wird ein wichtiger Punkt sein, grundsätzlich liegt aber die Ursache, warum sich viele gegen die Selbstständigkeit entscheiden, tiefer.

Ambivalenzen blockieren

Manchmal liegt es daran, dass man schlichtweg nicht fähig ist, eine Entscheidung zu treffen. Dann stehen sich möglicherweise Werte gegenüber, die sich nicht vereinbaren lassen: Drang nach Freiheit vs. Sicherheitsbedürfnis oder Neugier, über den Tellerrand zu schauen vs. Angst vor der Veränderung. Viele Menschen sind zwar hochgradig unzufrieden mit ihrem Angestelltendasein, doch sich für eine Alternative zu entscheiden, fällt ihnen schwer. Oft blockiert auch ein zu ausgeprägter Drang nach Kontrolle, die freie Entscheidung dafür, sich auf unbekanntes Terrain zu begeben. Aber wie schafft man es, die richtige Entscheidung für sich zu treffen?

Reise in die Neurowissenschaft

Wissenschaftler:innen um John-Dylan Haynes vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben 2008 eine sehr interessante Entdeckung gemacht. Mit einem Versuchsaufbau konnten sie nachweisen, dass lange bevor wir glauben, eine bewusste Entscheidung getroffen zu haben, bereits an der Entscheidung beteiligte Hirnregionen aktiv sind. Um es präziser zu sagen: Genau sieben Sekunden früher als wir denken, dass wir uns entschieden haben, ist die Entscheidung bereits gefallen. Das bestätigt auf gewissen Art die ein wenig esoterisch daherkommende Aussage, dass die Antwort auf eine Entscheidungsfrage immer schon in uns liegt. Leider überlegen wir häufig sehr lange und intensiv und vergraben so das, was der Körper bzw. unser Herz oder der Bauch längst schon wissen, unter Für- und Wider-Argumenten.

Mit kreativen Methoden entscheiden

Darum sind kreative Entscheidungsfindungsmethoden so zu empfeheln, weil sie mehr über den Bauch und die Intuition, als über den Kopf gesteuert, funktionieren.
Zum Beispiel das Tetralemma-Strukturaufstellungssystem. Dabei werden die einzelnen Positionen mit farbigen Karten oder Kissen belegt, wobei Position 1 „Das Eine“ symbolisiert, Postition 2 „Das Andere“ darstellt. Sind zum Beispiel Sicherheit/Freiheit diese Positionen, verdeutlicht durch Anstellung und Selbstständigkeit würde man nun auf Position 3 den Kompromiss legen der „Beides“ vereint, in diesem Falle Reduzierung der Angestelltenzeit und Aufnahme einer nebenberuflichen Selbstständigkeit. Position 4 dagegen wäre „Weder das eine noch das andere“ und lässt Raum für völlig neue Ideen. Die Person, die die Entscheidung treffen möchte, geht nun von Position zu Position, fühlt und beschreibt, wie es ihr an diesen Plätzen geht. Meist hat man nach solch einem „Durchlauf“ ein ziemlich klares Gefühl dafür, was man will und wo die Reise hingeht.

Weitere Entscheidungsmethoden

Aber es gibt noch andere Methoden, denn oft beruht die Unfähigkeit, sich zu entscheiden schlichtweg darauf, dass nicht genügend Informationen vorhanden sind und man sich darum auf von anderen „Gesagtes“ und auf eigene alte Erfahrungsmuster stützt, die meist nicht hilfreich sind, sondern im schlimmsten Fall sogar blockieren können.
Neben guter Recherche und Informationsbeschaffung kann die Lösung auch mit Hilfe des sogenannten „Inneren Teams“ gefunden werden. Wir alle vereinen in uns ein Team, das aus mehreren Rollenbildern besteht. Da gibt es Träumer, Planer, Kritiker, Nörgler, Unterstützer, Ängstliche, Helden etc. Ihnen eine Stimme zu geben, sie also am besten schriftlich Wort kommen zu lassen, kann sehr hilfreich sein. Oft identifiziert man so den Anteil in sich, der die Entscheidung nicht mittragen möchte.

Beherzt sein und vertrauen

Wie schon im Gründungsmonitor vermerkt, spielt das eigene Vertrauen in die Sache eine große Rolle. Sich bewusst zu machen, dass man ein Risiko eingeht, dass man aber an anderen Stellen im Leben schon viele Risiken gemeistert hat, ist ein hilfreicher Gedanke. Und wer mit wichtigen Informationen für sein Vorhaben ausgestattet ist, kann die Entscheidung pro Selbstständigkeit leichter treffen, als jemand, der noch nicht viel weiß. Es ist also letztendlich eine Mischung aus Kopf, Herz und Bauch, die uns auf den richtigen Weg führt.

Beitragsfoto: Gerd Altmann auf @Pixabay

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