Am heutigen Dienstag, den 1. Dezember, findet von 11.30 Uhr bis 13.30 Uhr rund um das Berliner Finanz- und Arbeitsministerium eine spektakuläre Kunstaktion statt:  Eine zweistellige Zahl von Künstlerinnen und Künstlern werden als lebende Plakatträger verantwortliche Regierende mit der traurigen Realität konfrontieren, dass zahllose Soloselbstständige neun Monaten nach Beginn der Corona-Krise noch immer keine wirksame Hilfe erhalten haben.

“Ihr lasst niemanden allein? – Überlasst das Kabarett bitte den Profis!”

Die Kunstaktion ist inspiriert von den ikonographischen Bildern von Arbeitern und Angestellten während der Wirtschaftskrise in den 20er/30er-Jahren, die arbeitssuchend waren und ebenfalls mit Schildern auf der Straße auf ihre schwierge Situation aufmerksam gemacht haben. Das Ziel von VGSD und IKiD ist, durch diese ungewöhnliche Aktion die mangelnden Hilfen für Selbstständige zum Gesprächsthema in den Ministerien zu machen.

Auf ihren Schildern transportieren die Künstler*innen Sprüche wie “Unternehmerhohn: Die Löcher in euren Hilfen sparen uns kaputt” oder “Überbrückungshilfe ist, wenn alle staunen, wie toll du abgenommen hast.”

Die Aktion wird veranstaltet vom “Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland” (VGSD) e.V. und der “Initiative Kulturschaffender in Deutschland” (IKiD).

“Idealerweise fährt sogar Minister Scholz selbst an den Plakatträgern vorbei”, sagt IKiD-Sprecher Oliver Golumbiewski. “Wir hoffen, dass die Sorgen der Selbstständigen zum Gesprächsstoff Nummer eins in den Ministerien werden – bei den Kaffeepausen, an den Schreibtischen und in den Fluren.”,  ergänzt Jana Riediger, ebenfalls Sprecherin der IKiD.

Enttäuschung herrscht, weil sich die staatlichen Corona-Hilfen in vielen Fällen als unwirksam erweisen. “Frühere Hilfen wie die Soforthilfe oder Überbrückungshilfe müssen die Betroffenen entweder zurückzahlen oder haben sie gar nicht erst erhalten, weil sie sich auf Kostenarten beziehen, die bei Soloselbstständigen geringes Gewicht haben”, sagt VGSD-Vorstand Andreas Lutz. “Die angekündigte Novemberhilfe wiederum ist auf bestimmte Branchen begrenzt.”

Ab 1. Dezember soll die Neustarthilfe greifen, die allerdings erst Ende Januar beantragt werden kann und somit frühestens im Februar 2021 ausbezahlt wird. Die Neustarthilfe ist zudem viel zu niedrig im Verhältnis zu den Umsatzausfällen. “Die Soloselbstständigen schultern im Interesse des Gesundheitsschutzes für die Gesamtbevölkerung einen Großteil der Lasten der Corona-Krise, ohne angemessene Hilfe zu erhalten.”

Mit der Kunstaktion wollen VGSD und IKiD auch auf die Anhörung vor dem Petitionsausschuss des Bundestags am Montag, den 07.12.2020, aufmerksam machen: VGSD-Vorstand Andreas Lutz wird dann als Initiator einer Bundestags-Petition (58.485 Mitzeichner!) der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbstständigenverbände (BAGSV) deren Forderungen und Verbesserungsvorschläge vortragen. Ihr Ziel ist neben wirksamen Corona-Hilfen eine bürokratie- und belastungsarme Zeit, die den Selbstständigen den Wiederaufbau von Rücklagen und Altersvorsorge ermöglicht.

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Der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) e.V. vertritt die Interessen von Solo- und Kleinstunternehmern, Gründern sowie Teilzeit-Selbstständigen. Der 2012 gegründete Verband zählt aktuell rund 5.900 Vereins- und 15.600 Communitymitglieder.
Die Mitglieder kommen aus allen Branchen. Besonders hoch ist der Anteil von Wissensarbeitern und “neuen Berufen”. Sitz des VGSD ist München. Weitere Informationen gibt es unter https://www.vgsd.de/

Die „Initiative Kulturschaffender in Deutschland“ ist ein ehrenamtlich arbeitendes, offenes Bündnis von freischaffenden Künstler*innen sowie selbständigen Akteur*Innen der Kultur- und Kreativwirtschaft, die sich unter den einschneidenden Auswirkungen der Corona-Pandemie zu einem bundesweit agierenden Informations- und Solidaritätsnetzwerk zusammengeschlossen haben.

Beitragsfoto: Peter Groth