Lernen ein Leben lang

Frau steht an einer vollgeschriebenen Tafel

Ob Unternehmer:in oder Angestellte:r – die Zeiten, in denen uns DER eine Job ein Leben lang begleitet hat, sind Geschichte. Unsere Arbeitsumwelt und die Arbeitsinhalte verändern sich immer schneller, Technologien entstehen, von denen wir gestern noch geträumt haben, alles ist globaler, internationaler. Sprich: Die Anforderungen an uns steigen und verlangen von uns geistige Flexibilität und die Bereitschaft Neues zu lernen.

Wissbegierig zu sein, immer dazuzulernen und auf dem neuesten Stand zu bleiben, ist in der modernen Arbeitswelt mittlerweile ein Muss. Ob Computer, Apps oder KI – an vielen Arbeitsplätzen ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten unumgänglich, weil die Systeme, mit denen gearbeitet wird, sich immer schneller weiterentwickeln. Unabhängig davon lohnt es sich, beim Lernen am Ball zu bleiben, denn unser Gehirn ist bis ins hohe Alter in der Lage, neue neuronale Verbindungen zu knüpfen.

Hans und Hänschen

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr.“ Bist Du auch mit diesem Satz aufgewachsen? Vielen von uns (besonders den Boomern und der Generation X) hat man eingetrichtert, dass die Schulzeit die einzige Gelegenheit ist, Wissen aufzunehmen. Danach sei man dazu geistig einfach nicht mehr in der Lage. Dazu kam und kommt heute noch, dass vielen die Freude am Lernen in der Schule abhanden gekommen ist oder kommt. Lernen wird mit Leistungsdruck, vielfach mit Versagen assoziiert. Trotzdem beteiligen sich im Jahr 2020 insgesamt 60 Prozent der Bürger:innen an Weiterbildungen, davon waren 87 Prozent Erwerbstätige. Weniger als neun Prozent derer, die Weiterbildungen in Anspruch genommen haben, waren nichterwerbstätig, worunter auch Selbstständige gezählt werden. Insgesamt noch eine recht gute Bilanz dafür, dass Lernen bei vielen nicht unbedingt beliebt ist.

Stichwort Neuroplastizität

Eigentlich ist unser Gehirn darauf aus, möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Auf der anderen Seite ist es, wenn uns etwas begeistert, schnell Feuer und Flamme. Lernen können wir ein Leben lang, das hat die Neurowissenschaft längst belegt. Neuroplastizität ist das Stichwort. Also die Fähigkeit des Gehirns immer neue Netzwerke zu knüpfen. Das hilft nicht nur, geistig flexibel zu sein, sondern schützt auch vor Demenz. Und wer lernen will, dem wird heutzutage viel geboten. Ob Sprach-Apps oder Weiterbildungsinstitute – Gelegenheiten, seine Kenntnisse aufzufrischen oder etwas komplett Neues zu lernen, gibt es viele. Und es werden noch mehr werden, wenn das Metavers erst einmal so entwickelt ist, dass es für alle anwendbar ist.

Lernen braucht Unterstützung

Aber auch wenn es Konsens ist, dass lebenslanges Lernen mehr als nur Vorteile am Arbeitsplatz bringt, so ist es genauso wichtig zu betonen, dass Lernen, wie Andreas Weck von t3n mal geschrieben hat, nicht zu einer „ökonomischen Kennziffer“ wird, sondern aus einem Gefühl der Freude und der Neugier heraus praktiziert werden sollte. Es muss dementsprechend gewollt sein, also aus freien Stücken heraus angegangen werden. Ansonsten artet es in Stress aus und davon haben wir alle genug. Grundsätzlich lernen wir gern mit anderen zusammen, gemeinsam ein Ziel zu haben, verbindet. Ob beim Lernen einer neuen Sprache oder in einem Kurs, der Selbstständigen hilft, achtsamer mit sich selbst zu sein – ein gutes Lernklima in einer kleinen Gruppe erleichtert den Wissenszuwachs.

Tipps, wie man „nebenbei“ lernt

Natürlich ist es gut, Kurse zu belegen oder eine Weiterbildung anzufangen. Man kann aber auch im Alltag darauf achten, tagtäglich dazuzulernen. Wichtig ist, offen dafür zu sein. Das fängt damit an, dass wir anderen zuhören. Nicht um etwas zu erwidern, oder um Recht zu haben, sondern um vom Gegenüber etwas zu lernen. Sich eine Lern-App auf das Handy zu laden, ist ein weiterer Weg. Jeden Tag fünf neue Vokabeln zu lernen, ist eine Herausforderung, die sich leicht in den Alltag einbauen lässt. Noch wichtiger ist allerdings, das Gelernte anzuwenden. Um Sprachen schneller zu lernen, bietet es sich an, ein*e Sprachpartner*in zu finden, mit der/dem man regelmäßig übt. Oder man schließt sich einer Gruppe an. Und darüber hinaus kann man sich vornehmen, jeden Tag eine Kleinigkeit anders zu machen als gewöhnlich. Irgendetwas tun, dass man noch nicht getan hat, jeden Tag ein erstes Mal kreieren. Das macht nicht nur Spaß, sondern erweitert den Horizont auf stressfreie Weise.