Wir sind in der dritten Woche des Lockdown, die Aussagen dazu, wann die Maßnahmen zurückgefahren werden, sind bisher eher vage und für so manchen Soloselbstständigen, Freiberufler oder Unternehmer wird die Lage zunehmend bedrohlicher. Erstaunlicherweise ist davon in Berlin wenig zu spüren. Vielleicht, weil der Frühling so schön ist, vielleicht, weil alle zuhause sind, vielleicht aber auch, weil Berlin schon immer die Stadt jener Menschen war, die „irgendwie“ zurechtgekommen sind. Die auch die Hoffnung nicht aufgeben, weil man ja schon etliche Krisen überstanden hat.

Das wohl Unglaublichste, das viele in diesem Zusammenhang den letzten Tagen hier in Berlin erlebt haben, war wohl die Tatsache, wie schnell die Soforthilfe funktioniert hat. Die meisten konnten es kaum glauben, als ein oder zwei Tage, nachdem sie auf das kleine Männchen, das den Fortschritt in der Warteschleife anzeigte, gestarrt haben, schon Geld auf ihrem Konto war. Flughafen können wir nicht, Soforthilfe schon. Dass die Landesmittel schnell ausgeschöpft waren, zeigt, wie viele Menschen in dieser Stadt mit ihren kleinen und Kleinstunternehmen dazu beitragen, dass Berlin so ist, wie Berlin ist: quirlig, bunt, schön, für Touristen immer ein lohnenswertes Reiseziel, für Menschen aus Baden Württemberg ein beliebter Ort zum Leben.

Was ist es, das bei uns in der Hauptstadt dafür sorgt, dass die Stimmung auch in schwierigen Zeiten nicht kippt? Die taz hat es in einem Artikel sehr schön beschrieben:

„Sie (Anmerkung: in diesem Fall die Freiberufler) nehmen diese Zeit vielleicht sogar leichter als andere, weil es endlich einmal nicht nur ihnen so geht. Und weil ihnen der Urlaub, den sie sich sonst nie leisten konnten, nun zwangsverordnet wurde. Plötzlich ist auch mal Zeit, innezuhalten, das eigene Leben zu sortieren und mal wieder darüber nachzudenken, ob es nicht der gesamten Menschheit ganz guttäte, wenn sie auch nur ein kleines bisschen mehr so ticken würde wie sie selbst.“

Und ein paar Zeilen weiter:

„Sie kommen hoch erhobenen Hauptes mit weniger als dem Existenzminimum durch, kleiden sich bei Humana ein, halten Kaffee zum Mitnehmen wegen seines Preises für verzichtbaren Schnickschnack, holen sich Bücher in der Tauschstation und machen beim Flohmarkt mit. Sie kultivieren Hand- und Spanndienste im Bekanntenkreis, geben Kindern in der Nachbarschaft Nachhilfe und lassen sich von deren Eltern am Monatsende zum Abendessen einladen.“

Ich denke auch, dass da der Schlüssel liegt. In der Fähigkeit, in Krisen nicht zu verzweifeln, sondern kreativ an die Sache heranzugehen. Auch in der Pandemie gibt es Jobs, die gebraucht werden. Dann räumt man eben mal für zwei Monate die Regale bei Rossmann ein. Es schadet der Karriere nicht, das Leben geht weiter und für viele wird diese Krise auch eine Möglichkeit sein, die eigene Arbeit generell zu hinterfragen. Vielleicht etwas  zu verändern, neu oder anders zu gestalten. Es wird ja viel über Berlin gelästert, aber gerade jetzt würde es sich lohnen, mal herzuschauen und zu beobachten, wie all die Freiberufler, Soloselbstständigen und Kleinunternehmer reagieren. Da kann man sicher einiges lernen.

Wir von der .garage Berlin sind jedenfalls hoffnungsvoll, haben unsere Arbeit derzeit auf digital umgestellt, freuen uns aber jetzt schon wieder darauf, mit verantwortlich dafür zu sein, dass Selbstständige auch in Krisenzeiten gut gerüstet sind.