Ob Tauschbörsen, Car-Sharing oder Kleiderausleihe. Nachhaltigkeit liegt immer mehr im Trend. Gut so, denkt man, schließlich ist es ein Thema, das jeden angeht, denn mittlerweile wissen wir wohl alle, dass Ressourcen begrenzt sind und die Erde kein Selbstbedienungsladen bis in alle Ewigkeit ist. Es geht also darum, Alternativen zu entdecken, neue Möglichkeiten zu finden und einen Mehrwert zu schaffen, ohne die Erde auszubeuten.

Das braucht vor allem eins: Dass wir Unternehmertum neu denken und es verwandeln – weg vom ausschließlich finanziell orientierten Kerngeschäft hin zu einem multifunktionellen Handeln, das neben der Profitabilität auch die Gesundheit des Menschen, die echten Kosten, den Nutzen oder Schaden für die Gesellschaft und die Nachhaltigkeit für Umwelt und Natur mit einschließt.

Klingt nach einem schönen Traum? Ja, wenn man auf die momentan noch vorherrschenden Wirtschaftsstrategien schaut. Nein, wenn man mal ein wenig abseits den Blick schweifen lässt und sieht, dass von unten kleine Unternehmen nachwachsen, die genau das umsetzen und auch einige größere schon eine Gemeinwohlbilanz erstellen. Unternehmen, mutig genug sind, sich von traditionellen Geschäftsmodellen zu verabschieden oder die ihre Aufmerksamkeit auf Rohstoffe richten, die wir momentan im Überfluss haben, die allerdings noch niemand so richtig nutzt.

Ein Beispiel dafür ist Kaffeesatz. Sie lächeln jetzt vielleicht und denken an Wahrsagerinnen und Schönheitstipps. Aber weit gefehlt. Kaffeesatz ist viel mehr als nur ein Abfallprodukt, das auf Mülldeponien Unmengen von Methangas produziert. Wenn man bedenkt, dass wir nur 0,2 Prozent der Bohne wirklich verwenden, dann ist das eine ziemlich große Verschwendung. Der Unternehmer und Initiator von „The Blue Economy“ Gunter Pauli hat sich darüber Gedanken gemacht und verwendet Kaffeesatz mittlerweile in großem Umfang als Zucht- und Nährboden für Pilze. Das ist, wie er selbst sagt, wesentlich günstiger, als billige Zuchtpilze aus China einzuführen. Und es schafft Arbeitsplätze.

Ein anderes Beispiel sind Eiweißprodukte, die unseren bisher größten Eiweißlieferanten das Fleisch ersetzen können. Kein Mensch kann heutzutage noch wirklich reinen Gewissens Fleisch aus dem Supermarkt essen, wenn er einmal gesehen hat, wie sehr die Tiere unter der Massentierhaltung leiden. Dazu kommt die Belastung der Fleischprodukte mit Antibiotika und Hormonen. Aber der Mensch benötigt nun mal Eiweiß. Das kann er allerdings auch auf pflanzlicher Basis gewinnen. Lupinenmehl zum Beispiel ist ein hervorragender Eiweißlieferant. Ebenso wie Spirulina-Algen. Bis diese Produkte im Massenbewusstsein angekommen sind, wird allerdings noch einige Zeit vergehen, denn es reicht nicht, dass nur die Hersteller und Unternehmer das Thema Nachhaltigkeit integrieren. Der Verbraucher muss den Schritt mitgehen und die Auswahl der Produkte entsprechend umstellen.

Aber abgesehen davon – der Kreativität in Sachen Nachhaltigkeit sind keine Grenzen gesetzt. So hat der Designer Raúl Laurí zum Beispiel einen Weg gefunden, Kaffeesatz zu recyceln und aus ihm Lampenschirme, Schalen und andere Dekorationsgegenstände herzustellen, die nicht nur schön aussehen, sondern ein Musterbeispiel dafür abgeben, dass es immer wieder machbar ist, etwas Neues zu entdecken, wo andere nur Müll und Abfall sehen. Dafür erhielt der junge Designer in Mailand den ersten Preis für Nachwuchsdesigner beim “Salone Satellite Award”.

Wollen wir mehr Nachhaltigkeit in die Welt bringen, liegt es an uns die Wirtschaft zu verändern. Nicht in dem wir die Großen davon überzeugen, dass sie es anders oder besser machen sollen, sondern in dem wir selbst umdenken, anders einkaufen und vielleicht als GründerInnen den Blick darauf richten, wie wir Werte wie Nachhaltigkeit in unseren Unternehmen etablieren können.