Sind Sie auch ein Verdränger, Vermeider, Procrastinierer, Muffel oder Ignorant wenn es um die alljährliche Erledigung Ihrer Steuererklärung geht? Willkommen im Klub, kann ich da nur sagen, denn damit gehören Sie zu einer beachtlichen Mehrheit. Als ich Ende vergangenen Jahres, buchstäblich mal wieder auf den letzten Drücker bei meiner Steuerberaterin saß, sagte sie sinngemäß zu mir, dass sie das gar nicht verstehen kann, wieso die Leute sich so davor drücken. Ich antwortete ihr, dass es wahrscheinlich daran liegt, dass mit der Erklärung die Zeit des Verdrängens der Wahrheit zu Ende geht, denn die Zahlen lügen nicht.

Sie lachte und meinte, dass es vielleicht eher der bürokratische Aufwand ist, den viele scheuen. Ja, auch das – darum bin ich ein Befürworter der Bierdeckelidee. Ich finde unser Steuersystem einfach viel zu kompliziert und offensichtlich bietet es ja damit auch genug Raum für all jene, die gern ihr Geld in dubiosen Steueroasen parken, wie die mit erstaunlicher Regelmäßigkeit auftauchenden Enthüllungen immer wieder zeigen.

Aber nun ist es eben, wie es ist, und wir kommen nicht um die Erklärung herum. Für all jene, die keinen Steuerberater haben, endet die Abgabefrist am 31. Juli 2020, mit Fristverlängerung am 28.02.2021. Natürlich macht es Sinn, selbst, wenn man theoretisch bis zum nächsten Jahr Zeit hat, alles rechtzeitig zusammenzutragen, denn erfahrungsgemäß türmen sich zum Ende des Jahres die Aktenberge auf den Tischen der Beratungskanzleien.

Was ich aus meiner eigenen Beratertätigkeit sagen kann, ist, dass die „Last“ mit den Steuern und der ganze Buchhaltungsaufwand für viele ein Grund ist, eine gute Geschäftsidee nicht umzusetzen und den Schritt in die Selbstständigkeit nicht zu wagen. Das finde ich persönlich sehr schade. Mit der Kleinunternehmerregelung ist der Staat den Selbstständigen ja schon entgegengekommen, trotzdem stellt es für viele Gründer eine Hürde dar. Manch einer bekommt schon Schweißausbrüche, wenn er nur daran denkt. Dabei gibt es auch im Internet viele Lösungen und Angebote, die das Buchen oder die Steuererklärung selbst extrem erleichtern. Für jene, die keinen Steuerberater engagieren wollen, ist das eine gute Investition.

Wir von der .garage raten dazu, sich entweder wöchentlich oder monatlich eine bestimmte Zeiteinheit für Buchungen und Steuern zu reservieren. Und wenn am Ende nur die Belege nach Datum sortiert und in Folientaschen verpackt werden. Noch besser ist natürlich, einen Kurs in Buchhaltung zu belegen und zu erfahren, dass Zahlen auch Spaß machen können und sie letztendlich ja auch ein Dokument des Erfolgs sind. Sie können uns gern ansprechen, wenn Sie diesbezüglich Hilfe benötigen.

Übrigens, wenn es dann doch mal passiert, dass Sie die Frist nicht einhalten können, dann reicht ein formloses Schreiben an das Finanzamt, in dem sie um eine Fristverlängerung bitten. Die sollten Sie dann aber auch einhalten, sonst drohen Versäumniszuschläge.

Wichtig ist auch, die Steuernachzahlungen, die an das Finanzamt zu leisten sind, unbedingt innerhalb eines Monats zu tätigen. Wenn Sie an der Stelle ignorant sind und aufschieben, kann es am Ende passieren, dass Ihnen das Finanzamt mal kurzerhand das Konto sperrt. Also Achtung!
Und ansonsten: Augen zu und durch. Am Ende ist es wie mit vielen anderen Dingen, vor denen wir uns drücken. Ist es erst einmal erledigt, war es rückblickend gar nicht so schlimm.