In der Regel ist das  Ziel einer Gründung, mittelfristig  von den Einnahmen  leben zu können. Selten geht es ausschließlich um Idealismus, noch seltener darum, von Ruhm und Ehre sein Dasein zu fristen. Trotzdem  liegen  viele Jungunternehmer – insbesondere Freiberufler – häufig unter dem Mindestlohnsatz, manche gehen bis an den Rand der Selbstausbeutung. Das Problem: Viele Gründer haben Schwierigkeiten, für sich selbst einen angemessenen Lohn zu definieren und den vor allem auch einzufordern.

 

Ein erster Hinweis,

um die Messlatte für den eigenen Lohn festzulegen, ist  der Vergleich mit dem Verdienst eines Angestellten, der eine ähnliche Tätigkeit wie Sie ausübt . Viele Berufs- oder Stellenportale bieten Tabellen, die einen Überblick über die Gehälter in den verschiedenen Branchen zeigen.
Legen Sie für die Rechnung  das entsprechende Monatsbruttoeinkommen zugrunde. Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld summieren sich zu einem 13. Monatsgehalt, das Sie – geteilt durch Zwölf – auf das Monatsgehalt aufrechnen sollten.

Der Arbeitgeberanteil – für den Sie ja nun selbst verantwortlich sind, beträgt  21 Prozent. Damit multiplizieren Sie Ihre Summe und addieren den Betrag anschließend  dazu. Alles zusammen ergibt die Größe, die Sie als Unternehmerlohn für sich in Ihrer Kalkulation einsetzen müssten. Das ist jedoch nur eine grobe Kalkulation und natürlich ist es häufig so, dass Sie Auftraggeber nicht immer bereit sind, diese Summe zu zahlen. Aber Achtung – sich dauerhaft unter Wert zu verkaufen, füllt weder Ihren Kühlschrank, noch tut es Ihnen als Unternehmer gut. Zugeständnisse kann man machen –  trotzdem sollten Sie die Zahl, die bei Ihren eigenen Kalkulationen herauskommt, nicht aus den Augen verlieren. Selbstausbeutung funktioniert sicher über einen kurzen Zeitraum – langfristig geht sie an die Substanz und bringt Sie im ungünstigsten Fall in die Schuldenfalle.

Eine andere Variante

für eine Berechnung  ist, das Pferd von der Ausgabenseite her aufzuzäumen. Damit können Sie auch gleich die Untergrenze finden – die Summe, die Sie exakt verdienen müssten, um von Ihrem Unternehmen leben zu können.
Dazu lohnt es sich, erst einmal über einen oder zwei Monate alle privaten Ausgaben aufzulisten. Sammeln Sie Bons , führen Sie ein Haushaltsbuch. Die App MoneyControl eignet sich für Apple-User, für Android-Nutzer ist der VSB_Haushaltsplaner ein gutes Tool. Führen Sie solch ein Buch, werden Sie überrascht sein, wie schnell sich all die kleinen Posten summieren.

Haben Sie Ihre privaten Ausgaben ermittelt, addieren Sie die Miete dazu. Kranken- und Pflegeversicherung, Zusatzversicherungen, Rentenversicherung, Vorsorgeversicherungen und eventuelle Anlagen werden dazugezählt – alles zusammen ergibt das, was Sie zum Leben benötigen. Nun kommen Unternehmenskosten/Investitionen dazu und wenn Sie das alles haben, rechnen Sie anschließend aus, wie viele Stunden Sie wirklich arbeiten – im Sinne von Geld-wert arbeiten und so können Sie am Ende ermitteln, wie viel Sie pro Stunde erwirtschaften müssen.

Klingt kompliziert? Ist es nicht. Und einmal erledigt gibt es Ihnen nicht nur ein Gefühl dafür, was Sie unterm Strich auf der Hand haben müssen, sondern eine exakte Größe an der Sie die Tragfähigkeit Ihres Unternehmens messen können.