Natürlich gehen Sie davon aus, dass Ihnen nichts passiert. Dass Sie gesund bleiben, Ihr Unternehmen, das gerade frisch am Start steht, mit voller Kraft in die Gewinnzone fahren. Und doch liegt der Alptraum immer nur eine Möglichkeit neben dem, wovon Sie träumen. Ein Unfall, eine Krankheit und aus ist der Traum. Darum: Schützen Sie sich und Ihr junges Unternehmen mit einem Notfallplan vor bösen Überraschungen. Sicher kann man im Leben nicht alles planen – aber vorsorgen kann man ganz gewiss.

Wenn in Gründerseminaren das Thema „Notfallplan“ auf dem Programm steht, erntet man als Seminarleiter oftmals ein gewisses Unverständnis. „Man muss doch den Teufel nicht an die Wand malen!“ oder „Ach ich bin doch jung, was soll mir schon passieren?“ sind nur zwei Beispiele von vielen Argumenten, die vorgebracht werden, um zu signalisieren, dass man die Lage unter Kontrolle hat. In Wahrheit steckt dahinter oft ein Verdrängungsmechanismus. Alle Konzentration wird auf das Ziel gerichtet – die Gründung. Warum soll man sich vorab mit dem beschäftigen, was vielleicht alles schiefgehen kann?
Im Grunde ist das eine Haltung, mit der wir überwiegend durchs Leben gehen. Wäre es anders und wir würden hinter jeder Ecke Gefahr wittern, würden wir wahrscheinlich verrückt werden.
Und doch ist es im Fall der Unternehmensgründung wichtig, sich genau diesem Thema zu widmen. Vor allem, wenn Sie für Ihre Gründung einen Kredit aufgenommen haben.
Denn: Was passiert, wenn Sie ausfallen? Wer übernimmt Ihre Aufgaben? Wer sorgt dafür, dass der Laden läuft? Wer trifft wichtige Entscheidungen?

Sind Sie Einzelunternehmer oder Freelancer, dann ist klar – wenn Sie nicht arbeiten, verdienen Sie auch kein Geld. Dass heißt – entweder gibt es jemanden, der für Sie einspringt, oder Sie haben sich für diesen Fall abgesichert. Vielleicht  durch Krankentagegeld oder einen anderen Versicherungsschutz. Hilfreich ist, vorab zu wissen, wie viele Tage/Wochen/Monate Sie auskommen würden, ohne dass Sie Geld einnehmen. Und falls Sie bisher nicht dafür gesorgt haben, dann fangen Sie jetzt an, den berühmten Notfallgroschen zur Seite zu legen. Auch wenn Sie ihn vielleicht nie brauchen! Genauso sinnvoll ist es, einen Notfall-Ordner anzulegen, in dem alle wichtigen Dokumente, Verzeichnisse, Schriftstücke, Passwörter, Verträge etc. in Kopie abgeheftet sind. Dieser Ordner sollte bei einer Person Ihres Vertrauens stehen. Vielleicht enthält er auch eine Vollmacht, mit der Sie regeln, wer für den Fall, dass Sie nicht unterzeichnungsfähig sind, Ihre Geschäfte übernimmt.

Mag  ein Freelancer, der keinerlei private Verspflichtungen hat, noch ohne Notfallplan durchkommen – für einen Gründer, der mit dem Gewinn aus seinem Unternehmen eine Familie ernährt, oder der Mitarbeiter beschäftigt, ist eine Risikovorsorge unumgänglich. Hier eine Checkliste, die Ihnen hilft, alle nötigen Maßnahmen zu überblicken:

  • Regeln Sie die Stellvertreter-Frage
    (Vertretungsplan, Wer vertritt nach außen, wer nach innen)
  • Sichern Sie das Tagesgeschäft
    (Schlüssel, Bankvollmachten, Pläne)
  • Adressenliste
    (Steuerberater, Anwalt, Kunden, Lieferanten)
  • Notfallordner
    (Verträge, Vollmacht)
  • Passwörter, PINs, Codes für Computer oder Online-Banking
  • Projekt-Liste mit genauen Anweisungen

Haben Sie für den worst case Fall keine Vollmachten erteilt, kann es dazu kommen, dass ein Betreuer vom Vormundschaftsgericht die Entscheidungsgewalt erhält. Überprüfen Sie für sich, ob das die Lösung ist, die Sie sich für Ihr Unternehmen wünschen.

Notfallpläne sind ein bisschen so wie der Regenschirm, den man vorsorglich in die Tasche steckt, auch wenn keine Wolke am Himmel zu sehen ist. Manchmal ist es gut, ihn dabeizuhaben. Ein von Ihnen selbst erstellter Risikoplan gibt Ihnen im Fall der Fälle das sichere Gefühl, die Dinge in der Hand zu haben, auch wenn Sie selbst nicht handlungsfähig sind.